Sonntag, 12. März 2017

Zeichen suchen - Predigt zu Mt 12,38-42 (Reminiszere, 12.3.2017)


Liebe Gemeinde,
die Pharisäer, Schriftgelehrten und Sadduzäer zur Zeit Jesu, waren ernsthaft Suchende. Sie wollten Gott in seinen Worten und Geboten nahe sein. Sie wollten die Bevölkerung mitnehmen, zu Gott bringen. Sie diskutierten nicht um des Streitens willen, sondern um Erkenntnis über Gott zu erlangen – sie waren uns gar nicht so unähnlich.
So diskutierten sie auch mit Jesus. Wie viele andere Propheten in seiner Zeit verkündete er eine Botschaft von Gott. Und er musste sich in Ihren Augen an der Schrift und den überlieferten Geboten messen lassen.
Aber manches was er sagte, ging weit über das in der Schrift belegte hinaus. Jesus tat so, als würde er Gottes Willen besonders gut kennen. Was also tun, um zu prüfen, ob er recht hat?
Als Jesus Neues vom Heiligen Geist verkündet und die Pharisäer hart angreift kommt es zu folgender Szene, wie sie uns Matthäus beschreibt:

Darauf antworteten einige der Schriftgelehrten und Pharisäer: »Lehrer, wir wollen von dir ein Zeichen sehen!«
Aber Jesus antwortete ihnen:
»Die Menschen dieser Generation sind böse –wie Ehebrecher.
Sie verlangen ein Zeichen. Sie werden kein Zeichen bekommen außer dem Zeichen, des Propheten Jona.
Jona war drei Tage und drei Nächte lang im Bauch des Fischs. Genauso wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte lang im Innern der Erde sein.

Am Tag des Gerichts werden die Menschen von Ninive auferstehen zusammen mit dieser Generation.
Sie werden diese Generation verurteilen – denn sie änderten ihr Leben, als sie die Botschaft von Jona hörten.
Und seht doch: Hier steht ein Größerer als Jona!
Am Tag des Gerichts wird die Königin von Saba auferstehen
zusammen mit dieser Generation. Sie wird diese Generation verurteilen – denn sie kam vom äußersten Ende der Welt herbei, um die weisen Lehren Salomos zu hören.
Und seht doch: Hier steht ein Größerer als Salomo!«

Lehrer- wir wollen von dir ein Zeichen sehen. Eigentlich ein berechtigtes Anliegen. Wenn einer behauptet besonders viel von Gott zu wissen, soll er es doch beweisen! Dieses Anliegen zieht sich durch die Zeit hindurch, auch heute gibt es das noch: Wenn Gott wirklich da ist: Soll er es doch beweisen!

Statt einer Antwort Schelte: Diese Generation ist böse! Und dann eine – für die damaligen Menschen unverständliche – Antwort: Jona war drei Tage lang im Bauch des Fisches. Genauso wird der Menschensohn drei Tage im Innern der Erde sein.

Wir heute können es auflösen. Wir Christen glauben: Jesus spricht von sich selbst. Er redet von seiner Zeit im Grab. Genauso wie Jona in der biblischen Geschichte vom Fisch ausgespuckt wurde und weiter Gottes Wort verkündigte, genauso ist Jesus nach drei Tagen auferstanden.

Aber reicht uns das für unseren Glauben? Reicht uns die Botschaft: Jesus ist auferstanden!
Sagen Sie nicht vorschnell: Ja, das reicht! Hören Sie in sich hinein. Brauchen wir nicht Zeichen um Gott zu spüren. Zeichen einer Anwesenheit Gottes. Zeichen, dass Jesus die Menschen liebt.

Ich brauche Gottes Nähe. Mir reicht allein der Satz: „Jesus ist auferstanden“ nicht. Ich brauche das Gefühl, dass Gott mir nahe ist. Ich brauche Geschehnisse, wo mir danach klar wird: Hier hat mich Gott beschützt.
Ich sehne mich nach Erlebnissen, wo mir danach klar wird: Gott ist bei mir, bei uns.
Vielleicht gehöre ich auch zu einer bösen Generation: Ich hätte gerne Zeichen. Zeichen die mich ermutigen, wenn es mir nicht gut geht.
Die mich aufrichten, wenn ich zweifle. Zeichen, die mir Gewissheit geben – oder sie zumindest stärken.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich brauche keine Stimme Gottes, die mit gewaltigen Donnerschall zu mir spricht.
Auch keine Heilungswunder – obwohl die bei kranken und geliebten Menschen toll wären.
Und auch keine Wolkensäule die vor mir hergeht.
Aber so kleine Zeichen wären nett.

Wenn du so ein Zeichen hast, sagt Jesus, dann höre darauf. Ändere dein Leben, folge Gott und dem Zeichen, so wie die Menschen von Ninive. Als Jona endlich in Ninive predigte, da hat der König, da haben die Menschen zugehört. Sie haben Ihre Ohren und ihr Herz geöffnet. Sie haben den Schmuck abgelegt und Buße getan. Das heißt: Sie haben sich geöffnet und versucht ihr Leben zu ändern.

Wir sind mitten in einer Bußzeit. Jetzt ist besonders die Zeit bis Ostern unsere Ohren, Augen und Herzen für die Botschaften Gottes zu öffnen: Wann und wie will Gott mir etwas sagen? Was gibt mir heute der Gottesdienste, diese Predigt mit?
Was habe ich für Begegnungen und Erlebnisse, die mir eine Richtung weisen wollen?
Jetzt ist die Zeit über mein Leben nachzudenken, Änderungen auszuprobieren. Traurig zu sein über das, was in meinem Leben schief läuft und immer wieder einen neuen Versuch zu starten mein Leben besser zu leben.

Es ist schön, wenn man Zeichen sieht, die einen den Weg weisen. Was aber, wenn man kein Zeichen sieht. Das Gefühl hat, allein zu sein?
Jesus lobt auch die Königin von Saaba. Sie kennt Gott nicht persönlich, sie kennt Salomo nicht.
Aber sie hat von ihm gehört, sie ist neugierig, will ihn testen und mehr erfahren.
Sie macht sich also auf eine lange, beschwerliche Reise, da sie eine Suchende ist. Sie geht, so berichtet die Bibel, beschenkt wieder heim. Materiell beschenkt, aber sicherlich auch innerlich beschenkt.

Ich finde es interessant, das Jesus sie als Vorbild hinstellt. Denn sie ist - „nur“ eine Suchende.
Vielleicht ist das das Wichtigste, wenn wir Gott in unserem Leben gerade nicht sehen: Den Kontakt nicht verlieren. Suchen. Sich auf den Weg machen. Auch wenn es ein beschwerlicher Weg durch die Wüste ist – so wie von Saaba nach Jerusalem.

An Jesus zu glauben, ihm zu vertrauen das ist auch ein schwerer Weg. Ein persönliches, unübersehbares Zeichen erleben nur die wenigsten. Alle anderen bleibt das Suchen, das schauen auf kleine, versteckte Zeichen und das hören auf die Osterbotschaft: Er ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Dienstag, 10. Januar 2017

Gottes Anwesenheit im Nachhinein entdecken - Predigt zum 2. Sonntag nach Epiphanias (2. Mose 33,17-23)


Hinweis: Die Predigt beruht auf den Anregungen der Predigtmeditationen im jüdischen Kontext, Beitrag von Rahel Schaller, herausgegeben von Studium in Israel e.V.
 
Liebe Gemeinde,
Weihnachten ist vorbei, die Krippe weggeräumt, irgendwie ist Gott nun nicht mehr so fassbar wie vorher. Mit der Krippe, ja, da dachte man an Jesus, an die kleinen Kinder, da war Gott irgendwie fassbarer. Aber nun?
Ähnlich ging es auch den Israeliten, als sie aus Ägypten ausgezogen waren. Mit Wundern hatte er sich bewiesen, Gott war spürbar. In einer Wolke und Feuerflamme war er mitgezogen, direkt bei Ihnen.
Doch nun, am Sinai, nach dem Tanz um das goldene Kalb und dem Empfangen der 10 Gebote, wurde das Allerheiligste im Zelt außerhalb des Lagers aufgebaut. Die Feuerflamme, die Wolke, sie hielt plötzlich Abstand. Gott geht auf Abstand.

Mose ist der einzige, der noch direkt mit Gott redet. Gott redet mit ihm, wie mit einem Freund. Er möcchte in Beziehung mit Gott bleiben und so ergibt sich folgendes Gespräch, aus dem Buch Exodus im 33. Kapitel.
Ich lese aus der Bibel in gerechter Sprache, in dieser Übersetzung wird der jüdischen Tradition folgend der Gottesname nicht verwendet, sondern durch andere Begriffe ersetzt. Einer ist das beginnende „Sie“:

Sie entgegnete dem Mose: »Ich werde auch diesen Wunsch, den du gerade ausgesprochen hast, erfüllen, weil ich dir wohl gesonnen bin und dich persönlich akzeptiert habe.« Mose wollte noch mehr, er sagte: »Lass mich jetzt bitte deinen göttlichen Glanz sehen!«
Gott antwortete: »Ich werde in meiner unermesslichen Schönheit dicht an dir vorbeigehen und meinen Namen Ich-bin-da vor dir ausrufen. Ich will allen wohl, denen ich Wohlwollen schenken will. Ich leide mit allen, die ich bemitleiden will.«
Und weiter: »Du darfst mein Gesicht trotzdem nicht anschauen, denn kein Mensch, der mir ins Gesicht sieht, würde am Leben bleiben.«
Er sagte noch: »Hier neben mir ist noch Platz, stelle dich zu mir auf den Felsen. Wenn dann gleich mein Glanz vorbeigeht, dann drücke ich dich in eine Felsnische und halte dir meine Hand vor die Augen, bis ich vorbei bin. Dann ziehe ich sie weg und du kannst mich von hinten sehen, aber mein Gesicht darfst du nicht anschauen.«
Amen

Eine sonderbare Geschichte. Irgendwie altertümlich, nicht in unsere Zeit und Vorstellung von Gott passend.
Sie wird vielschichtiger, wenn man bedenkt, dass im Hebräischen Mose darum bittet „Lass mich deinen Kavod sehen“. Kavod, das kann die Herrlichkeit oder den Glanz bedeuten, aber auch die Schwere oder das Gewicht.
Mose möchte also auch sehen, welches Gewicht Gott für die Welt hat, also: Wie wichtig er ist.

Und: In Kavod spiegelt sich sehr viel: Fröhliches wie Herrlichkeit und Trauriges wie Schwere. Der Begriff Kavod zeigt schon: Gott ist unfassbar.

Doch schauen wir, was Gott antwortet. Denn er ist nicht unnahbar:
Ich werde in meiner unermesslichen Schönheit dicht an dir vorbeigehen und meinen Namen Ich-bin-da vor dir ausrufen.
Ich bin da: Das ist der Name Gottes, Aber auch dieser Hebräische Begriff zeigt auch die Unfassbarkeit: Er kann auch heißen: Ich war da. Ich werde da sein. Und: Ich bin, der ich bin.
Aber: Gott ist da und bleibt da. Und er verspricht Mose: Ich gehe nahe an dir vorbei.
Aber trotzdem darf Mose ihm nicht ins Gesicht schauen. Vielleicht hat es damit zu tun, dass wir uns kein Bildnis machen sollen. Wem ich ins Gesicht schaue, von dem habe ich ein Bild. Aber Gott sagt: Mache dir kein Bildnis von mir! Lege mich nicht fest!
Ich will allen wohl, denen ich Wohlwollen schenken will. Ich leide mit allen, die ich bemitleiden will.
Aber wer es ist, wem ich Wohlwollen schenke, das bestimme ich. Gott lässt sich nicht festlegen.
Und das ist gut, denn so ist die Gnade Gottes allen offen.

Aber auch wenn Mose Gott nicht direkt ansehen kann, so eröffnet ihm Gott doch eine Möglichkeit: Mose kann sich in eine Felswand stellen, während Gott vorbei geht wird Gottes Hand seine Augen zudecken und Mose kann ihm hinterhersehen.
Auch wenn sich in meinem westeuropäischen-Logik-Verstand alles gegen dieses Bild von Gott wehrt, dass Gott ganz normal spaziert:

Ein wunderbares Bild! Gott lässt uns zusehen, er beschützt uns mit seiner Hand, damit uns nichts passiert, wir können ihm hinterhersehen.

Vielleicht ist das ein gutes Bild für unser Leben: Oft suchen wir Gott und sagen: Gott, lass uns deine Kavod sehen!
Lass uns deine Herrlichkeit, deinen Glanz sehen!
Deine Bedeutung für die Welt!
Und direkt sehen wir nichts. Es ist als wäre eine Hand vor unseren Augen.
Aber im Nachhinein, da entdecken wir manchmal Gott: In unserem Leben, im Leben von anderen.
Wir schauen Gott sozusagen hinterher. Wir schauen ihm nach, schauen was er für Spuren hinterlassen hat. Machen uns darin ein Bild von seiner Schwere, seiner Herrlichkeit.
Gott bleibt unfassbar, aber er war und ist dennoch da.

Amen.

Samstag, 31. Dezember 2016

Trost entdecken. Gedanken zur Jahreslosung 2016 im Rückblick (Altjahresabend 2016)

Liebe Gemeinde,
was fällt ihnen zuerst ein, wenn Sie an das vergangene Jahr denken?
Bei Ihnen privat: Vielleicht der Tod eines lieben Menschen? Eine Krankheit, ein Schreck?
Oder ein fröhliches Ereignis, eine Geburt, eine Hochzeit?

Und was, wenn Sie an Deutschland denken:  Die Silvesternacht in Köln? Der Amokläufer in München? Die Terroranschläge in Ansbach oder Würzburg? Die Angst?

Und weltweit ist es ja auch nicht besser: Krieg in Syrien. Immer noch. In der Ukraine – vergessen aber immer noch.
In der Türkei teils kriegsähnliche Zustände. Terroranschläge.

Was mir auffällt: Meist fällt uns zuerst negatives ein. Das ist psychologisch leicht erklärbar, zumindest bei allem was Angst erzeugt: Angst braucht der Mensch zum Überleben, das prägt sich ein.
Die Jahreslosung für dieses Jahr, die ist sehr angstfrei:
Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet, spricht der Herr.

Auch das gehört zur Angst dazu: getröstet werden. Wenn meine Kinder in der Nacht Angst haben, kommen Sie zu mir ins Bett, wollen in den Arm genommen werden um wieder Angstfrei einschlafen zu können. Ich will euch trösten wie einen seine Mutter oder sein Vater tröstet.
Bei uns Erwachsenen ist das nicht anders: Haben wir Angst rufen wir einen guten Freund an und reden oder brauchen es auch, in den Arm genommen zu werden. Ich will euch trösten wie einen sein Freund und Partner tröstet.

Wenn Angst da ist, brauchen wir Trost.
Die Jahreslosung bringt mich dazu nicht nur nach dem negativen, dem Ängstlichen zu schauen, sondern auch nach dem, was tröstlich ist und war:
In welchen Situationen haben wir dieses Jahr Trost erlebt:
Wer hat uns in den Arm genommen, als wir es brauchten?
Wer war da zum Reden, wenn unser Herz voll war und die Zunge überlief.
Wer hat gar nichts gesagt und war einfach nur da, als uns nur zum heulen war?
Wer war da als mein Mann, meine Mutter starb?
Wo konnte ich mich fallen lassen, wer hat mich getröstet?

Deutschlandweit betrachtet gab es viele Schreckensnachrichten. Aber es gab auch die Situationen, wo in München während der Schreckensnachrichten Menschen ihre Wohnungen öffneten und sagten: Kommt herbei, hier seid ihr geschützt.
Es gab die Menschen, die trotz der Terroranschläge sich weiter um Flüchtlinge kümmerten und ausdrückten: Jeder Mensch ist anders. Vor dir habe ich keine Angst.
Es gibt die Menschen, die ihr Leben riskieren um als Weißhelme in Syrien Kriegsopfer ins Krankenhaus zu bringen.
Die als Ärzte ohne Grenzen sich in Lebensgefahr begeben.

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet, spricht der Herr.
Gott tröstet in wenigen Fällen direkt. Meistens sind es wohl andere Menschen, die Gott uns zum Trost schickt.
Oder es ist eine Erkenntnis, ein Wissen, das man nach langem Nachdenken hat.
Oder ein Buch, in dem man seine Sorgen schreibt.
Ein Moment im Gottesdienst, der einem gut tut.

Oder eine Kerze, die man anzündet um das, was einem in diesem Jahr belastet hat vor Gott zu bringen.
Das wollen wir jetzt gleich auch tun. Dieses Jahr vor Gott bringen.
Wenn wir dies tun, sollten wir nicht nur die traurigen Momente vor Gott bringen, sondern auch die, die Trost brachten.
Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet, spricht der Herr.
Amen

Sonntag, 27. November 2016

Siehe es kommt die Zeit ... - Predigt zu Jer 23,5-8 (1. Advent)


Gnade sei mit euch und Friede von Gott ,unserm Vater, und unserem Herren Jesus Christus. Amen.
Lasst uns in der Stille um den Segen des Wortes Gottes
bitten.

Liebe Gemeinde,
es war eine Zeit voller Kriege. Denn so toll es war, dass das Land fruchtbar war, es hatte einen Nachteil: Die Großmächte Ägypten und Babylon trafen hier aufeinander. Natürlich wollten sie nicht in der Wüste Arabiens Krieg führen. Also zogen Sie am Mittelmeer entlang aufeinander zu. Von Süden kamen die Ägypter und von Norden die Babylonier. Erst war der nördliche Nachbar Israel erobert worden, jetzt war Juda, das Südreich dran. Auf dem Thron saß Zedekia, der vom babylonischen König Nebukadnezar als Vasall eingesetzt worden war. Aber immer wieder wagte er, von Ägypten angestachelt, den Aufstand. Und so lag der Krieg mit den mächtigen Babyloniern in der Luft, Kriegsvorbereitungen waren überall spürbar und natürlich mussten die Armen zuerst darunter leiden.
Sie riefen zu Gott, in Erinnerung daran, dass er sie aus Ägyptenland geführt hatte.
Aber wo war er nun? Die Stämme des großen, stolzen Volkes der Juden, die im Norden lebten, waren zerschleppt und verstreut.
Kümmerte er sich noch um sie?
Der Prophet Jeremia glaubte daran und erzählte davon. Wie oft hatte er schon die Könige ermahnt, ihr Schicksal anzunehmen und keinen Krieg zu riskieren. Wie oft war er schon dafür eingesperrt worden.
Aber immer noch redete er und immer mehr von der verheißungsvollen Zukunft:
Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird.
Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: »Der Herr ist unsere Gerechtigkeit«.
Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der Herr, dass man nicht mehr sagen wird: »So wahr der Herr lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat!«, sondern: »So wahr der Herr lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgeführt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen hatte.« Und sie sollen in ihrem Lande wohnen.“

Es war eine Zeit voller Kriege. Denn so toll es war, dass das Land fruchtbar war und Zugang zum Meer hatte, es hatte einen Nachteil: Durch das Meer kamen die Römer. Und Sie eroberten alles. Die Militärherrschaft setzte ihr Recht mit Gewalt durch und auf dem Thron saß ein Vasallenkönig. Er hielt sich verzweifelt an der Macht fest und versuchte durch Bauten sich beim Volk einzuschmeicheln. Aber der Krieg und die Steuern machten das Volk arm. Aufstand lag in der Luft, immer mehr Zeloten ermordeten aus dem Hinterhalt römische Soldaten. Es war klar, dass bald schlimmeres passieren würde.
Und dann noch diese Volkszählung für neue Steuern. Jeder musste in sein Heimatdorf.
Josef musste nach Bethlehem, dem Sitz Davids. Aus dessen Spross sollte er kommen, der König von dem alle träumten:

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird.
Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: »Der Herr ist unsere Gerechtigkeit«.
Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der Herr, dass man nicht mehr sagen wird: »So wahr der Herr lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat!«, sondern: »So wahr der Herr lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgeführt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen hatte.« Und sie sollen in ihrem Lande wohnen.“

Es ist eine Zeit voller Kriege. Denn so fruchtbar das Land ist: Jedes Volk wollte hier leben und ist hier schon einmal durchgezogen. Wer hat da schon das Recht allein in diesem Land zu leben? Gerecht ist der Kampf um das Land schon lange nicht mehr.
Nur mit Militär und Angst lässt es sich in Israel und Palästina leben. Unterdrückung und Angst vor Angriffen und Anschlägen gehören zum Leben.
Der Krieg, der Kampf bestimmt die Politik, wofür Geld ausgegeben wird, das tägliche Leben.

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird.
Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: »Der Herr ist unsere Gerechtigkeit«.
Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der Herr, dass man nicht mehr sagen wird: »So wahr der Herr lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat!«, sondern: »So wahr der Herr lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgeführt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen hatte.« Und sie sollen in ihrem Lande wohnen.“

Es ist eine zeitlose Ansage, die Jeremia macht. Denn so klug der Mensch ist: Immer wieder streitet er, kämpft, führt Kriege. Immer wieder ist er auf den eigenen Vorteil bedacht. Immer wieder ist er ungerecht und bricht das Recht.
Immer wieder schreit er „mein Volk“
Immer wieder brauchen wir diese Verheißung Gottes. Als Versprechen, als Hoffnung.
Als Mahnung.
Und als Erinnerung, Gott an sein Versprechen zu erinnern.

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird.
Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: »Der Herr ist unsere Gerechtigkeit«.
Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der Herr, dass man nicht mehr sagen wird: »So wahr der Herr lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat!«, sondern: »So wahr der Herr lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgeführt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen hatte.« Und sie sollen in ihrem Lande wohnen.“

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Sonntag, 9. Oktober 2016

Sex, Geld und Heiligkeit - Predigt zum 20. Sonntag nach Trinitatis (1. Thess 4, 1-8)


Liebe Gemeinde,
wenn Sie versuchen im Internet die Anzahl der Heiligen zu erfahren, so scheitern sie schnell. Etwas über 8000 dürften es nach meinen Berechnungen in der katholischen Kirche sein, nachdem Papst Franziskus auf einen Schlag über 800 Personen heilig gesprochen hat.
Wie viele es in den Orthodoxen Kirchen sind ist unklar.
Und bei uns Evangelischen? „Keine!“ würden gut Evangelische Antworten. Dabei ist das Falsch. „Noch viel mehr als bei den anderen!“ lautet die korrekte Antwort. Denn: Wir alle sind Heilige.
Bei uns gibt es keine Heilig-Sprechung, keine Wunder die getan werden müssen. In der Evangelischen Kirche reicht der Glaube an Jesus, die Beziehung zu Gott um heilig zu sein. Heilig, das heißt eigentlich zu Gott gehörig. Und das sind wir: Durch unseren Glauben und als sichtbares Zeichen: Durch die Taufe.

Das tolle ist ja: Wer heute im Katholizismus heilig werden will, dessen Lebenswandel muss penibelst geprüft werden. Der Lebenswandel darf der Heiligkeit nicht im Wege stehen. Nur wer ein heiliges Leben führt, ein Glaubensvorbild im Alltag ist, nur der kann heilig sein.
Da hätten wir wahrscheinlich wenig Chancen heilig zu werden. Und doch sind wir es. Wir gehören zur Gemeinschaft der Heiligen, wie es das Glaubensbekenntnis sagt.
Denn: Nicht unser Lebenswandel ist das entscheidende, sondern unser Glaube.
Und durch den Glauben sind wir heilig. Durch den Glauben nimmt uns Gott an, egal wie wir unser Leben gestalten.

Und dennoch: So ganz unrecht hat die katholische Kirche nicht, denn der Lebenswandel zeigt, wie sehr man sich von seinem Glauben berühren lässt. Wenn mir mein Glaube wichtig ist, dann wird sich das im Lebenswandel ausdrücken. Und umgekehrt: Am Lebenswandel eines Menschen erkenne ich seine Einstellung.

In unserem heutigen Predigttext geht es Paulus um den Zusammenhang zwischen Heiligkeit und Lebenswandel.
Er stellt sie allerdings in einem anderen Zusammenhang als wir es gerade getan haben, denn er lebt in einer anderen Situation. Er rechnet im 1. Thessalonicherbrief noch damit, dass Jesus sehr bald wiederkommen wird und das Gericht beginnen wird. Vielleicht nächste Woche, vielleicht nächsten Monat, längstens in 1-2 Jahren.
Und in dieser kurzen Zeit kann man ruhig schauen, dass man einen perfekten Lebenswandel hat, denn für Paulus zur damaligen Zeit beweist er die Heiligkeit.

Wir leben heute in einer anderen Situation. Wir rechnen nicht mehr damit, dass morgen Jesus wiederkommt. Wir wissen, es kann sein, dass wir es nicht mehr erleben.
Aber die Frage: Zeigt mein Leben meinen Glauben? Diese Frage hat die Jahrhunderte überdauert
Paulus schreibt an im 1. Brief an die Gemeinde in Thessaloniki im 4. Kapitel folgendes:
Noch zu etwas anderem, Brüder und Schwestern:
Ihr habt von uns gelernt, wie ihr euer Leben führen müsst, um Gott zu gefallen.
Und ihr lebt auch schon so.
Nun bitten und ermahnen wir euch unter Berufung auf den Herrn Jesus: Macht darin auch weiterhin Fortschritte.

Ihr kennt ja die Anweisungen, die wir euch im Auftrag des Herrn Jesus gegeben haben.
Denn es ist der Wille Gottes, dass ihr heilig seid.
Und das bedeutet: Unterlasst alle verbotenen sexuellen Beziehungen. Jeder von euch soll lernen, mit seinem eigenen Körper in heiliger und ehrenhafter Weise umzugehen.
Folgt nicht den leidenschaftlichen Begierden, wie es die Heiden tun, die Gott nicht kennen.
Setzt euch in geschäftlichen Angelegenheiten nicht über euren Bruder hinweg und bereichert euch nicht an ihm.
Denn all diese Dinge unterliegen dem Strafgericht des Herrn.
Das haben wir euch aber auch schon früher gesagt und euch ausdrücklich darauf hingewiesen.
Denn Gott hat uns nicht zur Unsittlichkeit berufen, sondern zur Heiligkeit.
Wer diese Berufung zurückweist, weist demnach nicht einen Menschen zurück. Er weist vielmehr Gott zurück, der euch mit seinem Heiligen Geist erfüllt.

Liebe Gemeinde,
ich werde mit dem Text nicht wirklich warm. Mir ist da zu viel an Ermahnung drin, zu viel moralischer Zeigefinger. Ich werde das Gefühl nicht los, dieser Paulus macht an unserem Leben fest, ob wir Heilig sind.
Dieser Brief ist der erste, den er schrieb. Mir ist der Paulus im letzten lieber: „Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, … Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben...: »Der Gerechte wird aus Glauben leben.«
Im Römerbrief, seinem letzten Brief, betont er den Glauben als das selig-machende, nicht den Lebenswandel. Und so wurde der Römerbrief zur Inspiration für Luther.
Aber vielleicht tue ich Paulus unrecht, denn auch im 1. Thessalonicherbrief schreibt er von der Heiligkeit, die schon da ist: Ihr habt von uns gelernt, wie ihr euer Leben führen müsst, um Gott zu gefallen.
Und ihr lebt auch schon so.
Nun bitten und ermahnen wir euch unter Berufung auf den Herrn Jesus: Macht darin auch weiterhin Fortschritte.
Und:
Denn Gott hat uns nicht zur Unsittlichkeit berufen, sondern zur Heiligkeit.
Wer diese Berufung zurückweist, weist demnach nicht einen Menschen zurück. Er weist vielmehr Gott zurück, der euch mit seinem Heiligen Geist erfüllt.
Letzteres bedeutet: Gott erfüllt uns mit dem Heiligen Geist. Und der Heilige Geist lässt uns ein heiliges Leben führen, ein Leben, das zu Gott passt und bei dem Andere dann sehen: Ja, dieser Mensch will zu Gott gehören.

Das ist auch das was Luther glaubte: Gott bringt uns im Glauben zum Überfließen, wie er es sagt, zu den Werken in Liebe. Durch den Glauben kommen wir Gott nahe und das wirkt sich in unserem Leben aus.

Paulus ermahnt in zwei Punkten, ich bin mir sicher, diese Liste könnte man ergänzen. Aber vielleicht sind es einfach zeitlose Punkte: Sex und Geld.

Fangen wir mit dem Sex an. Paulus schreibt: Unterlasst alle verbotenen sexuellen Beziehungen. Jeder von euch soll lernen, mit seinem eigenen Körper in heiliger und ehrenhafter Weise umzugehen.
Folgt nicht den leidenschaftlichen Begierden, wie es die Heiden tun, die Gott nicht kennen.

Nimm deinen Körper und den des anderen Ernst! Folge nicht einfach deinen Begierden, sondern beachte dass dein Körper etwas besonderes ist. Jemandem körperlich nahe zu kommen, ist auch etwas besonderes. Es bringt einen auch emotional nahe, macht sich und den anderen sehr verletzlich.
Daher: Sei vorsichtig, wenn es um das Thema Sex geht

Und Geld: Geld regiert die Welt. Bei Geld da hört die Freundschaft auf! Diese Sprichwörter sie zeigen: Geld ist wichtig in der Beziehung der Menschen zueinander. Offensichtlich war es das auch schon bei den ersten Christen.
Deshalb ermahnt Paulus kurz und knapp: Setzt euch in geschäftlichen Angelegenheiten nicht über euren Bruder hinweg und bereichert euch nicht an ihm.
Ein Satz der es in sich hat. Heute vielleicht noch mehr als vor 2000 Jahren.
Vielleicht denken Sie sich jetzt: Ach, ich mache nicht viel Geschäfte und mit Leuten aus der Gemeinde eh nicht, kein Problem!

Aber: Wir setzen uns in unserem Leben wie wir es führen, ständig über unsere Brüder hinweg und bereichern uns an ihnen.
Wer sein Hemd bei C&A oder Esprit oder irgendeiner anderen führenden Marke kauft, der bezahlt für etwas, bei dem unsere Brüder in Thailand oder Kambodscha oder wo gerade die Nähbänke stehen, ausgebeutet werden. So knallhart muss man es sagen. Bei der meisten Kleidung die ich gerade trage ist ein Bereichern im Spiel. Versuchen Sie einmal Kleidung zu finden, die fair gehandelt ist; Kleidung, bei der keine asiatischen Kinder oder Frauenhände zu Spottlöhnen mitgearbeitet haben, damit wir uns über einen billigen Preis freuen können. Das ist schwer und vor allem: sehr, sehr teuer.
Ich habe mir in den letzten Jahren wenige Hemden, die zu fairen Löhnen in Europa produziert wurden, angeschafft. Und mehr unfaire, denn nur die fairen könnte ich mir nicht leisten.
Und dann reden wir noch nicht über die Hose, die Unterhose, das Unterhemd, die Socken, den Schlafanzug und vieles mehr.
Ganz ehrlich: Unsere Kleidung basiert auf unfairen Geschäftsbedingungen.

Und beim Essen geht es weiter: Der Kaffee, die Schokolade, der Kakao, die Nüsse, all das aus fremden Ländern: Bei uns sehr bezahlbar, dort oft zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben
Und die Diskussion um die Milchbauern zeigt endlich auch bei uns: Essen kostet, damit wir unsere Brüder nicht übervorteilen!

Ich denke wir müssen ehrlich mit uns sein: Ja, wir übervorteilen unseren Bruder bei Geschäften. Einfach weil wir hier leben, wo wir leben und wie wir leben.
Und unsere Heiligkeit sie fordert von uns: Setzt euch dagegen ein! Fragt bei der Kleidung nach wo sie herkommt. Leistet euch auch mal ganz bewusst ein fair hergestelltes Hemd.
Kauft den fairen Kaffee und die Milch möglichst vor Ort.
Fragt den Händler nach den Geschäftsbedingungen.
Und fragt danach, wie unsere weltweiten Handelsabkommen gestaltet werden.

Ich will jetzt nicht in den moralischen Zeigefinger verfallen. Aber ich glaube auch: In unserem Leben zeigt sich, wie sehr wir unseren Glauben ernst nehmen und uns davon berühren lassen.
Unser Lebenswandel entscheidet nicht ob wir heilig sind. Er zeigt aber, ob unsere Heiligkeit sichtbar ist und eine Inspiration für andere sein kann.
Denn Heilige, die wie sie auch die die anderen Kirchen kennen und verehren, das sind nach evangelischer Auffassung Glaubensvorbilder und Inspirationen.
Amen.

Sonntag, 10. Juli 2016

Sich vom Ideal fragen lassen: Predigt zum 7. Sonntag nach Trinitatis (Apg 2,41a.42-47)

Liebe Gemeinde,
Lukas hatte sich tief in die Geschichte seines Glaubens verkrochen. Er hatte nachgeforscht, nachgefragt, bei denen, die noch lebten, denn: er schrieb ein Buch über die Entstehung des Glaubens. Das erste, das über Jesus, war schon fertig. Nun war der zweite Teil im Entstehen: Wie ging es nach Ostern weiter?
Das Pfingstgeschehen hatte er schon beschrieben: Der Heilige Geist ließ die Menschen merken, dass Jesus der Sohn Gottes war. Dass die Christen recht hatten. Weitergehen würde es mit den ersten Aposteln.
Ach, das Leben damals, war schon ganz anders als das nun, 50 Jahre später. Damals, da war noch mehr Begeisterung, Pepp, dahinter. Und nun: Es Menschelte schon sehr!
Es gibt viel zu viel Streit – obwohl Jesus Gemeinschaft gefordert hatte.
Die Armen werden benachteiligt – obwohl Jesus Gleichheit wollte.
Und: Der Glaube ist in Gefahr.

Ob es damals besser war? Lukas ist sich nicht sicher. Vielleicht schon. Auf jeden Fall könnten sich die Leute heute von der damaligen Gemeinde eine Scheibe abschneiden. Vielleicht sollte Lukas noch ein Stückchen einfügen, in dem diese Punkte besonders betont werden. Ein Stückchen, in dem er vielleicht etwas übertreibt – aber zu einem guten Zweck: So könnte die Gemeinde heute ins Grübeln kommen, ob Ihr Leben noch den Idealen entspricht. Ob es nicht Zeit wäre, etwas zu ändern.
Ja, das wäre es!
Und so schreibt Lukas folgendes:
Die das Wort annahmen, ließen sich taufen.
Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel
und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.
Es kam aber Furcht über alle Seelen, und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel.
Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nach dem es einer nötig hatte.
Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk.
Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.


Liebe Gemeinde,
so ähnlich stelle ich mir die Gedanken des Lukas vor, als er unseren Predigttext schrieb: Ich glaube er wusste, dass 50 Jahre vor seiner Zeit, in der Zeit der ersten Gemeinde, nicht alle auf einen Schlag ihren Besitz verkauft haben.
Ich glaube er wusste, dass nicht einige tausend Personen einmütig täglich beieinander waren.

Ich glaube, es ging ihm drum, ein Idealbild zu zeichnen um seine Gemeinde auf Mißstände aufmerksam zu machen. Ich glaube er wollte Ihnen einen Spiegel vorhalten, aber er konnte schlecht wie Paulus seiner Gemeinde Vorwürfe machen.
Paulus, der konnte das: Er war Gemeindegründer, angesehen, schrieb direkte Briefe, die auch Vorwürfe und Anweisungen beinhalteten.
Er, Lukas, war Roman und Geschichtsschreiber. Er musste einen anderen Weg gehen um seiner Gemeinde einen Spiegel vorzuhalten. Und so schrieb er vom Idealzustand der christlichen Gemeinde, zurückversetzt in die Zeit der ersten Christen:
Alle wären täglich beieinander, einmütig, gingen täglich in den Tempel, feierten Abendmahl, teilten das Brot.

Ich glaube, es lohnt sich zu suchen, in welchen Punkten Lukas seiner Gemeinde den Spiegel vorhält, denn mein Eindruck ist: Dieser Spiegel, diese Punkte, treffen uns immer noch.
Mein Eindruck ist: Lukas stellt alles unter den Aspekt der Gemeinschaft. Und so habe ich mir drei Punkte herausgesucht, die diesen Aspekt der Gemeinschaft entfalten.

1. Gemeinsam Armut Bekämpfen

Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nach dem es einer nötig hatte.
Es hört sich an wie eine Kommune aus den 70ern, ein Kibbuz in Israel oder ein Kloster: Alle besitzen alles.
Für mich eine schreckliche Vorstellung: Ich bin froh, dass manche Sachen nur mir gehören. Und im Bibelkreis haben wir darüber diskutiert, was dann gemacht wird, wenn das Geld weg ist.
Aber eine richtige und wichtige Anfrage gibt es: Die Grundidee des Christentums ist, dass keiner Not leiden muss. Es soll keine Armen, keine Menschen die Hungerleiden mehr geben. Keiner soll betteln müssen, jeder soll genug zum Leben haben.
Ein Ideal von dem wir noch weit weg, fast genauso weit wie zur Zeit der ersten Christen.
Das Idealbild das Lukas uns malt stellt uns die Frage: Wie wichtig ist uns unser Besitz? Auf wie viel können wir verzichten?
Wären wir beispielsweise bereit eine Flüchtlingsfamilie in unser Haus aufzunehmen, wenn sie sonst auf der Straße stünde?

2. Gemeinsam den Glauben teilen
Die das Wort annahmen, ließen sich taufen. Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.
Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel

Die Urchristen teilten Ihren Glauben miteiander. Lukas idealisiert, aber aus seinen anderen Erzählungen und denen des Paulus wissen wir: Die ersten Gemeinden entstanden in Hausgemeinden, man öffnete sein Haus für andere und erzählte anderen vom Glauben.
Dahinter steckt eine wichtige Erkenntnis: Zum christlichen Glauben gehört Gemeinschaft. Es gehört dazu, gemeinsam über Jesus, Gott und die Bibel zu diskutieren. Es gehört dazu, sich von anderen kritische Fragen stellen zu lassen.
Es gehört auch dazu, Gemeinschaft im Gottesdienst zu erleben. Zu merken, ich bin nicht allein in meinem Glauben, gerade dann wenn mein Glaube angefochten ist.
Damals war es eher die Christenverfolgung, heute ist es eher wenn einer naher Mensch im Sterben liegt, man in Amerika wegen eines Rücklichts sterben kann oder der Terror ein Land trifft.
Es ist gut, gemeinsam über den Glauben nachzudenken.
Aber tun wir das genug? Teilen wir unsere Gedanken, unsere Bedenken? Kommen wir regelmäßig in eine Gemeinschaft, sei es im Gottesdienst, oder einen der Kreise?
Laden wir andere ein, mitzukommen, wenn Sie nicht kommen? Sind wir offen auch für die schrägen und schwierigen Mitchristen, für die unser Gottesdienst fremd ist?
Und können wir über alten Streit hinwegsehen oder darüber dass ein Prediger schwierig ist, weil uns die Verbindung im Glauben wichtiger ist?

3. Gemeinsam Feiern und Leben.
und sie brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk.

Die ersten Christen feierten nicht nur Abendmahl, sie hatten  auch ein Abendmahl – sie aßen gemeinsam zu Abend. So viel Freude und lauteres Herz war sicherlich nicht dabei, denn von Paulus wissen wir, dass einige sich den Bauch vollschlugen, während die anderen auf einem Kanten Brot kauten. Aber von dem Arm-Reich Problem abgesehen: Die Christen feierten und lebten gemeinsam. Christentum, das lässt sich nicht an der Kirchentür anziehen und wieder abgeben. Als Christ bin ich mit dem Anderen mein Leben lang verbunden. Nicht immer einer Meinung und ohne Konflikte, aber so verbunden, dass ich mit Ihm gemeinsam zu Tisch essen kann. Jesus sagt: Wenn du Streit mit deinem Bruder hast, geh nicht im Tempel zum Gottesdienst sondern kläre erst den Streit mit deinem Bruder.
Wer einen Streit mit seinem Bruder hat weiß: eine schwere Aufgabe.
Ein zweiter Aspekt ist mir aufgefallen: Das Verhalten der Christen führt zu Wohlwollen beim Volk. Das heißt: Das Volk merkt, dass es die Christen gibt.
Die Christen damals verstecken sich nicht, leben ihr Christentum nicht im Kämmerchen, sondern sind sichtbar.
Wo sind wir sichtbar als Christen und als Kirche? Verstecken wir uns und denken wir uns: Die Leute werden schon kommen?
Oder gehen wir mit unserer Botschaft zu den Menschen? Sind vielleicht einfach nur da als Christen?

Liebe Gemeinde,
Lukas zeichnet ein Idealbild. Damit stellt er uns kritische Fragen, bringt uns ins Nachdenken.
Wir sollten uns kein schlechtes Gewissen machen lassen. Aber wir sollten offen sein für die Fragen des Lukas:
Bekämpfen wir gemeinsam Armut?
Teilen wir unseren Glauben miteinander?
Feiern und Leben wir gemeinsam?

Amen.

Samstag, 9. Juli 2016

Konfirmandenvorstellungsgottesdienst


Gottesdienst zur Konfirmandenvorstellung

Verfasser: Pfr. Gerhard Beck, Neunburg vorm Wald, gerhard.beck@elkb.de, http://www.gerhardbeck.de

Der folgende Gottesdienst wurde als Konfirmandenvor­stellungsgottesdienst am Anfang des Konfirmandenjahres entworfen.
Die Konfirmanden übernehmen die meisten Teile/Gebete

Eingangsmusik
Begrüßung (Pfarrer)

Eingangsgebet (Konfirmand):
Ich schaue und höre auf das, was gewesen ist,
die Bilder, die die vergangenen Tage in mir zurückließen,
die Stimmen, die noch in meinem Ohren und Herzen nachklingen, ich schaue und höre,
(Stille)
Ich schaue und höre, was in mir ist,
meine Bilder der Sehnsucht und Hoffnung,
meine Rufen, meine Angst und mein Bitten,
ich schaue und höre
Amen.

Pfarrer: Wir schauen und hören. Wir merken, wo wir unsere Grenzen haben. Wo wir gerne anders handeln würden, als wir es tun.
All unsere Grenzen bringen wir vor Gott mit der Bitte uns zu helfen. Wir singen
Kyrielied: Meine engen Grenzen (083)

Introitus: Ps 1 (Gesangbuch)
Wer auf Gott vertraut, der ist wie ein Baum. Gott ist unsere Wurzel, die uns trägt. Dafür wollen wir Gott loben mit dem Lied:
Gloria: 272: Ich lobe meinen Gott

Gebet des Tages: (Konfirmand)
Wir beten:
Unser Leben ist wie ein Baum mit tiefen Wurzeln.
Manchmal spüren wir den guten Grund,
in den wir eingepflanzt sind,
gewinnen Kraft und Halt in Gottes Liebe.
So bitten wir:
Lass uns nicht aufhören, Gott, nach dir zu fragen,
damit wir erfahren, wie gut du es mit uns meinst.
Amen

Lesung aus der Schrift: 2. Tim 3,14-17 (Konfirmand)
Glaubensbekenntnis (Pfarrer)

Wochenlied: 010 Lobe den Herrn meine Seele

Predigt (benötigt wird ein Haltestellenschild, lässt sich z.B. beim Bauhof ausleihen.
Als Vorbereitung haben die Konfirmanden sich am Tag vorher im Unterricht Gedanken gemacht: „Warum lohnt es sich über Gott nachzudenken?“)

Liebe Gemeinde,
wir haben hier ein Haltestellenschild aufgestellt. [Die Konfis kennen es schon von unserem Konfirmandenwochenende und alle diejenigen von Ihnen, die bei der Konfirmation dieses Jahr anwesend waren, wissen auch] Eine Haltestelle passt gut als Symbol für den Konfirmandenunterricht!
Der Konfirmandenunterricht ist der Beginn eines intensiven Nachdenkens über Gott. In jedem Konfirmandenunterricht bleibe ich stehen – wie an einer Haltestelle. Und ich werde dann an einem Samstag vormittag mitgenommen auf einer Reise des Nachdenkens über Gott. Sei es an einem ganzen Wochenende, sei es beim Geld sammeln, beim Nachdenken über den Ablauf des Gottesdienstes oder dem Versuch das Kirchenjahr in die richtige Reihenfolge zu kriegen.
Momentan sind wir ja noch in der Aufwärmphase, denn die harte Nüsse folgen noch: Die 10 Gebote und warum sie keine Befehle sind. Das Vater Unser, die Frage warum ich mein Kind taufen lassen sollte und am härtesten: Der Sinn des Glaubensbekenntnises. Ja, ganz ehrlich: Da beißen sich viele Erwachsene mit mehr als doppelt so viel Lebens- und Glaubenserfahrung die Zähne aus. Aber unsere Konfis die lassen sich darauf ein, steigen mehr oder wenig mit ein in den Bus Konfirmandenunterricht, der sie in die Welt des Glaubens mitnimmt.

Warum das ganze? Wieso sollen wir nachdenken über Gott? Das haben wir uns auch gestern gefragt und eine Auswahl an Antworten präsentieren uns jetzt X, Y und Z

Unser heutige Predigttext, der Psalm 1, findet andere Antworten. Sie haben ihn schon gesprochen, hören ihn aber jetzt nochmals in einer neuen Übertragung, gelesen von Konfirmand:
PS 1 neu gelesen: Übertragung aus der VELKD Agende Konfirmation

Pfarrer: Wohl dem, der nachdenkt über das, was uns helfen kann, und dann weiß, was er glaubt und wofür er lebt. Der ist wie ein Baum mit tiefen Wurzeln… der verbringt sein Leben nicht nutzlos“.

Ich denke, darum geht es. Deshalb machen Frau XYZ und ich diese Arbeit mit euch Konfis, jedes Jahr immer wieder von neuem: Weil wir uns mit euch auf die Suche nach dem machen, was uns im Leben helfen kann. Was uns trägt, so wie ein Baum gehalten wird. Weil wir mit euch nach dem Sinn des Lebens suchen wollen. Und ganz ehrlich: Weil wir auch selber immer wieder viel gewinnen, viel erfahren und viel von Euch lernen.
Wenn wir bei dem Haltestellenschild- Vergleich bleiben: Wir sind sehr gerne eure Busfahrer, die mit euch herumfahren.
Das Ziel zu dem wir alle gemeinsam fahren ist Gott. Ihn versuchen wir zu verstehen. Das hat bei euch schon als kleines Kind angefangen, spätestens im Religionsunterr-icht. Als Konfirmanden geht es weiter und diese Reise wird eigentlich nie enden. Aber es ist eine schöne Reise, denn sie lohnt sich: Wer nach Gott fragt, so sagt der Psalm, entdeckt das Leben, das ganzen Einsatz lohnt und sich bewährt.
Amen.

Vorstellung aller Konfis:
- Name, Alter, Wohnort, Konfirmandenunterricht ist für mich eine Haltstelle zu(m)

Predigtlied + Kollekte : 295,1-3 Wohl denen, die da wandeln

Abkündigungen (Pfarrer)
Fürbitten (Konfirmand)
Pfarrer: Guter Gott, du bist unsere Wurzel, aus der wir Leben. So kommen wir zu dir und bitten dich:

[Fürbitten von den Konfirmanden entworfen und vorgetragen]

Vater Unser

SEGEN
Der Herr segne und behüte euch.
Der Herr lasse sein Angesich leuchten über euch und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch + Frieden.
Amen

Endlied: 295,4
Musik zum Ausgang